Wechseljahre, Hormone & Haut

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reife Frau - Porträt

Wechseljahre: Welche Hormone spielen eine Rolle und welche Auswirkungen Hat dies auf unsere Haut?

Im aktuellen Beitrag habe ich mich intensiv mit den Wechseljahren beschäftigt. Irgendwann sind alle Frauen davon betroffen und spüren die Auswirkungen mehr oder weniger deutlich.

Aber was passiert in unserem Körper, während dieser Zeit und welche Hormone nehmen hier Einfluß auf den Organismus? Wie verändert sich unsere Haut in den Wechseljahren und wie können wir mit Kosmetik positiven Einfluß nehmen? Diese Fragen versuche ich nachfolgend zu beantworten.

Wie verändert sich unser Körper in den Wechseljahren und welche Hormone spielen eine Rolle?

Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, treten als natürliche Phase im Leben jeder Frau auf. Sie stellen keine Erkrankung dar, auch wenn viele Frauen in dieser Zeit mit vielen Veränderungen und Auswirkungen zu kämpfen haben. Die Wechseljahre lassen sich in die Peri-Menopause und die Post-Menopause differenzieren. Die Peri-Menopause stellt die Zeit, ca. 4 Jahre, vor den eigentlichen Wechseljahren dar, in der sich unsere Hormone sowie unser Körper und unsere Haut langsam verändern. Die Post-Menopause dagegen ist die letzte Phase des Klimakteriums und beginnt ungefähr ein Jahr nach der letzten Regelblutung. Die Wechseljahre beruhen auf der Hormonumstellung unseres Körpers.

Unsere Eierstöcke (Ovarien) produzieren die Geschlechtshormone. Hier sind v.a. Progesteron und Östrogen zu nennen. Nähert sich unser Körper dem Klimakterium an, reduziert sich der Vorrat unserer Eizellen, der Eisprung bleibt irgendwann aus und die Eierstöcke stellen ihre Funktion schlußendlich ein. Dadurch bedingt geht die Produktion von Östrogen und Progesteron zurück.

Es treten hormonelle Schwankungen auf: wir verfügen dann über einen Progesteron Mangel sowie eine Überproduktion von Östrogen. Durch den erhöhten Östrogen Spiegel wird die Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium, stark aufgebaut. Dies kann zu Beginn der Wechseljahre zu starken Blutungen führen. Im Laufe der Wechseljahre wird Östrogen dann in geringeren Dosen ausgeschüttet, bis die Produktion komplett eingestellt wird.

Die weiteren Symptome, die zwischen Mitte 40 und 50 oft auftreten, können Zyklusunregelmäßigkeiten, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen sein.

Circa ein Drittel der Frauen erfährt starke Beeinträchtigungen im Alltag, wobei die Ausprägungen und Dauer der Beschwerden individuell enorm variieren. Weitere Symptome, die die Lebensqualität stark beeinflussen können, sind: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Libido Verlust, Verstopfungen, Erschöpfung, trockene Haut und Schleimhäute, sowie Gelenk- und Muskelschmerzen.

Nicht alle Symptome sind allerdings hormonell bedingt. Der allgemeine Alterungsprozess sowie die Psyche spielen ebenfalls eine sehr große Rolle. Hauptindikator für die Wechseljahre ist neben dem Alter das Auftreten von Zyklusunregelmäßigkeiten sowie das vollständige Ausbleiben des Zyklus.

Phasen der Wechseljahre im Überblick:

Peri-Menopause: umfasst den Zeitraum vor den eigentlichen Wechseljahren. Ca. vier Jahre vorher beginnt diese Phase, welche durch die langsame Veränderung der Hormone sowie unseres Körpers und der Haut gekennzeichnet ist.

Klimakterium (Menopause): diese Phase bezeichnet den Zeitpunkt der letzten Regelblutung.

Post-Menopause: die Post-Menopause stellt die letzte Phase des Klimakteriums dar. Sie beginnt ca. ein Jahr nach der letzten Regelblutung.

Porträt Reife Frau

Wie verändert sich unsere Haut in den Wechseljahren?

Unsere Haut verändert sich in den Wechseljahren durch das hormonelle Ungleichgewicht. Frauen sind hormonelle Schwankungen und deren Auswirkungen auf die Haut aus der Pubertät und Schwangerschaft bereits gewohnt.

Das Sexualhormon Östrogen ist für eine junge und pralle Haut verantwortlich. Durch den Östrogenabfall wird unsere gesamte Haut in den Wechseljahren trockener und dünner und neigt zu Juckreiz und Rötungen. Verantwortlich hierfür ist die verminderte Bildung von Kollagen bedingt durch den Östrogen Mangel.

Die Haut verliert an Elastizität und das Bindegewebe kann Feuchtigkeit nur noch vermindert speichern. Bei ca. einem Viertel der Frauen tritt zudem die hormonbedingte Akne auf. Der Zell turn-over wird ebenfalls immer langsamer, wodurch die Wundheilung negativ beeinflußt wird. Unsere Haut wird zudem empfindlicher und reagiert oft sensibler mit Unverträglichkeiten.

Zusätzlich zu den Hautveränderungen kann sich unser Körpergeruch verändern. Die verschiedenen Hormone sind für unseren geschlechtsspezifischen Geruch verantwortlich. Waren in der Pubertät und beim Eisprung noch die Östrogene für den Körpergeruch verantwortlich, so ändert sich dies ebenfalls in den Wechseljahren.

Durch die Veränderung der hormonellen Verhältnisse zueinander sowie der Hormonqualität insgesamt kann es zu einer Veränderung des Körpergeruchs kommen. Nun haben die Androgene einen starken Einfluß auf unseren individuellen Körpergeruch.

Außerdem bewirken die Androgene in den Wechseljahren Veränderungen, die üblicherweise bei Männern auftreten: die Kopfhaare werden weniger und dünner, dafür kann eine Zunahme der Körperbehaarung z.B. an der Oberlippe, Kinn oder Brust beobachtet werden.

Menopause

Hormone im Überblick:

Östrogen (auch als Estrogen bezeichnet): zählt neben den Gestagenen zu den weiblichen Geschlechtshormonen. Biochemisch sind sie bei den Steroidhormonen einzuordnen. Östrogene werden primär zyklusabhängig im Ovar, in den Zellen der Ovarialfollikel, gebildet.

Gestagen: ist ein weibliches Geschlechtshormon und wird auch als Gelbkörperhormon oder Schwangerschaftshormon bezeichnet. Es spielt neben den Östrogenen im weiblichen Zyklus und während der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Das wichtigste natürliche Gestagen ist das Progesteron.

Progesteron: das weibliche Geschlechtshormon wird vom Gelbkörper in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus und vor allem während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet. Progesteron zählt ebenfalls zu den Steroidhormonen und ist ein Derivat des Cholesterins.

Androgene: die natürlichen oder synthetischen männlichen Geschlechtshormone werden in der Nebennierenrinde und im Hoden produziert. Sie zählen ebenfalls zu den Steroidhormonen, wobei Testosteron das wichtigste Androgen darstellt.

Testosteron: das Steroidhormon wird im Hoden, im Ovar sowie in der Nebennierenrinde produziert. Testosteron beeinflusst sowohl bei der Frau als auch beim Mann das Wachstum, die Differenzierung, die Libido sowie die Potenz und weitere physische und psychische Funktionen.

Östrogen Level von 20 bis 80

Wie können wir kosmetisch unterstützend pflegen?

Trotz dessen, dass die Hautveränderungen in den Wechseljahren oft hormoneller Natur sind, können wir mit der richtigen Pflege und einem gesunden Lebensstil positiven Einfluß auf die Haut nehmen.

Die Gesichtsreinigung sollte jetzt sehr mild sein und die Haut nicht austrocknen. Eine aggressive Reinigung, die die Lipide aus der Haut wäscht, wäre nun fatal. Eine Gesichtsreinigung, die rückfettend ist und zusätzlich Feuchtigkeit spendet ist dagegen nun ideal. Je nach Hauttyp können auch Gesichtsöle zur Reinigung verwendet werden.

Peelings zum Entfernen der abgestorbenen Hautschüppchen und zur Behandlung der Akne sollten ein bis zweimal pro Woche verwendet werden. Dadurch wird zudem die Durchblutung im Gesicht angeregt und die Zellregeneration gefördert. Hier ist es wichtig, dass milde mechanische Peelings oder Enzympeelings verwendet werden. Die Peeling Produkte sollten die dünnere, trockene Haut nicht zusätzlich reizen oder gar verletzen.

Bei der Pflege sollte vor allem auf Feuchtigkeit gesetzt werden. Die Haut in den Wechseljahren benötigt einerseits Feuchtigkeit, am Besten in Form von feuchtigkeitsbindenden Wirkstoffen. Hier können vor der feuchtigkeitsspendenden Creme zusätzlich Wirkstoffseren eingesetzt werden.

Anderseits können Lipide in reichhaltigeren Texturen unterstützend wirken. Eine Baukasten Pflege nach Hautzustand und Pflegebedürfnis ist hier ideal.

Ein hoher UV-Schutz sollte spätestens in den Wechseljahren täglich zum Einsatz kommen. Neben dem allgemeinen Schutz der Haut und dem Schutz vor Hautalterung dient der UV-Schutz in dieser Phase des Lebens vor allem zur Prävention von Pigmentflecken.  Gerade in den Wechseljahren neigt unsere Haut dazu, schneller Altersflecken und Pigmentverschiebungen zu bilden. Ein hoher Sonnenschutz mit einem UVA- und UVB-Breitbandfilter hilft hier präventiv.

Neben der Pflege der Gesichts- und Körperhaut sollten wir den Intimbereich nicht vergessen. Die empfindliche Haut der Vagina leidet ebenfalls unter dem Absinken des Östrogenlevels und reagiert mit starkem Feuchtigkeitsverlust. Hier können natürliche Öle die Vitamin E enthalten helfen, das vaginale Mikrobiom aufrechtzuerhalten und die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen.

Bei starken Hautproblemen ist der Besuch beim Dermatologen sowie die Erhebung des Hormonstatus und eine evtl. Hormonersatztherapie beim Gynäkologen ratsam.

Nackter Unterkörper Frau

Welche Wirkstoffe eignen sich besonders in den Wechseljahren, um positiven Einfluß nehmen zu können?

Hier sind vor allem Hyaluronsäure und pflanzliches Glyzerin zu nennen. Hyaluronsäure zählt zu den Top-Wirkstoffen in Bezug auf Feuchtigkeit und Feuchtigkeitsbindungsvermögen. Außerdem ist Vitamin A vor allem bei unreiner Haut und Akne sehr gut geeignet sowie zur Behandlung der Hautalterung.

Seren mit Phytoöstrogenen helfen bei Pigmentflecken sehr effektiv, wenn sie regelmäßig und über einen längeren Zeitraum verwendet werden.

Retinol zur Behandlung von Hormon bedingten Hautproblemen eignet sich ebenfalls sehr gut. Hier ist darauf zu achten, dass die Haut langsam an Retinol gewöhnt wird, da sie in den Wechseljahren ohnehin empfindlicher ist.

Zusätzlich eignen sich Trockenöle und feuchtigkeitsspendende Öle wie z.B. Jojoba Öl sehr gut zur Pflege nach dem Duschen oder Baden sowie nach der Gesichtsreinigung.

Bei der täglichen Pflege den sensiblen Intimbereich nicht vergessen.

 

Zusammenfassung:

Die Wechseljahre stellen eine besondere Zeit im Leben jeder Frau dar und bringen einige Veränderungen in Bezug auf die Hormone, das körperliche Wohlbefinden und die Haut mit sich.

Eine spezifische Hautpflege, die an die Herausforderungen und Veränderungen der Haut durch die hormonelle Umstellung angepaßt ist, ist während der Wechseljahre essentiell. Hier sollte sowohl die Gesichtshaut als auch die Haut am Körper und im Intimberiech bedacht werden.

Auch wenn die Wechseljahre keine Erkrankung darstellen und die Symptome unterschiedlich stark auftreten, können wir mit der richtigen kosmetischen Pflege die Haut in dieser Zeit sehr positiv unterstützen.

Ein gesunder Lebensstil kann ebenfalls die Beschwerden mindern: eine darmfördernde Ernährung, die reich an Gemüse, Ballaststoffen und Probiotika ist, ist förderlich. Schnelle Kohlenhydrate und Zucker sollten möglichst gemieden werden. Nahrungsergänzungsmittel wie z.B. Zink sind ebenfalls positiv für ein gutes Hautbild.

Die Reduktion von Stress sowie die Steigerung des Immunsystems haben einen zusätzlichen positiven Effekt auf die Haut. Körperliche Bewegung steigert unser Wohlbefinden und hat eine sehr gute Wirkung auf die Haut.

Bei starken Beschwerden sollte allerdings der Besuch beim Arzt und eine evtl. Hormonersatztherapie in Betracht gezogen werden.